Die Schweiz ist ein Wanderparadies: sanfte Hügel, weite Alpwiesen und spektakuläre Bergpanoramen locken jedes Jahr unzählige Naturliebhaber an. Doch wer sich abseits der Städte auf Schusters Rappen bewegt, trifft früher oder später auf eine Herde Kühe. Für viele gehört das zum alpinen Charme, doch der Umgang mit Weidevieh ist nicht immer selbsterklärend.
Text: Yvonne Beck

Während des Sommers werden die Kühe auf die Weiden und Alpen gebracht, wo sie frisches Gras fressen und zur traditionellen Alpwirtschaft beitragen. Besonders Mutterkühe sind dort oft mit ihren Kälbern anzutreffen, was Wanderer wissen sollten, denn eine Mutterkuh beschützt ihr Kalb mit aller Kraft. Neben Mutterkühen gibt es auf den Weiden auch Jungtiere, die noch neugierig und verspielt sind, aber unberechenbar reagieren können. Und dann gibt es noch Jungbullen oder grössere Herden, die ein ganz eigenes Sozialverhalten mitbringen. Je nach Weidehaltung können die Tiere an Menschen gewöhnt sein – oder eben nicht. Kühe bringen locker mehrere hundert Kilogramm auf die Waage. Gerät ein Mensch ins Visier einer Kuh, kann das schwere Folgen haben – insbesondere, wenn das Tier Hörner trägt. Obwohl Kühe meist friedlich auf der Weide grasen, sind sie schneller, als oft angenommen wird: Sie können bis zu 40 km/h erreichen. Im Falle eines Angriffs ist Weglaufen daher kaum eine erfolgversprechende Strategie. Um gefährliche Situationen zu vermeiden, ist es wichtig, die Hinweisschilder zu beachten und die empfohlenen Verhaltensregeln einzuhalten.

Grundregeln im Umgang mit Weidevieh
- Ruhe bewahren und Abstand halten
Kühe sind grundsätzlich friedliche Tiere, reagieren jedoch empfindlich auf hektische Bewegungen und Lärm. Ein respektvoller Abstand minimiert das Risiko unerwarteter Reaktionen. Besonders Mutterkühe können nervös werden, wenn sich Menschen oder Hunde zu nah an ihre Kälber nähern.
- Nicht direkt durch eine Herde gehen
Am besten um die Tiere herumgehen und dabei einen möglichst grossen Bogen machen. Direkte Wege durch die Herde können Stress verursachen und Abwehrreaktionen hervorrufen. Falls es keine andere Möglichkeit gibt, langsam und ruhig durch die Herde bewegen, ohne einzelne Tiere zu bedrängen.
- Hunde richtig führen
Hunde stellen ein besonderes Thema dar, da sie von Kühen oft als Bedrohung wahrgenommen werden. Besonders Mutterkühe können aggressiv auf Hunde reagieren, weil sie in ihnen potenzielle Feinde für ihre Kälber sehen. Wanderer mit Hund sollten folgende Regeln beachten:
- Hunde immer an die Leine nehmen: Unkontrollierte Hunde können Kühe erschrecken oder in Bedrängnis bringen.
- Genug Abstand zur Herde halten: Falls sich eine Kuh oder eine ganze Herde für den Hund interessiert, ruhig bleiben und gegebenenfalls den Rückweg antreten.
- Falls eine Kuh angreift, den Hund loslassen: Dies klingt zunächst beunruhigend, aber ein Hund kann viel schneller ausweichen als ein Mensch. So schützt man sich selbst und gibt dem Hund die Möglichkeit, sich in Sicherheit zu bringen.
- Hunde nicht bellen lassen: Lautes Bellen kann Unruhe in die Herde bringen und Abwehrreaktionen hervorrufen.

- Kälber nicht anfassen
Auch wenn sie noch so niedlich sind – das Berühren oder Streicheln von Kälbern kann die Mutterkühe alarmieren und zu aggressivem Verhalten führen. Kühe erkennen ihren Nachwuchs am Geruch, und wenn dieser durch menschlichen Kontakt verändert wird, kann das für das Kalb problematisch werden. Ausserdem könnte es zu unerwarteten Angriffen der Mutter kommen.
- Gelassen und bestimmt weitergehen
Falls eine Kuh näherkommt oder neugierig wirkt, nicht weglaufen. Stattdessen ruhig, aber bestimmt den Weg fortsetzen. Weglaufen könnte das Tier zum Nachlaufen animieren. Sollte eine Kuh den Weg versperren, kann es helfen, mit sanfter Stimme zu sprechen oder sich ruhig seitlich zu bewegen, ohne das Tier direkt zu fixieren.

Was tun, wenn eine Kuh angreift?
In den seltenen Fällen, in denen sich eine Kuh bedrohlich nähert oder gar einen Angriff andeutet:
- Blickkontakt vermeiden, aber das Tier im Auge behalten.
- Langsam zurückweichen, ohne sich umzudrehen.
- Falls die Kuh angreift: In Sicherheit bringen, beispielsweise hinter einem Zaun oder Baum.
Wenn eine Herde plötzlich unruhig wird, ist es ratsam, das Gebiet zügig, aber kontrolliert zu verlassen.







































