Immer mehr Menschen arbeiten zurzeit von zuhause. Dabei ist Heimarbeit ja prinzipiell nichts Neues. Diese vier berühmten Wiener Beispiele zeigen, wie Homeoffice um die Jahrhundertwende und darüber hinaus aussah.

In unserer vernetzten Welt spielt es heute bei vielen Berufen kaum noch eine Rolle, ob wir im Büro oder in unserem Wohnzimmer sitzen. Dabei wurde die Trennung von Wohn- und Arbeitsplatz erst mit Beginn der Industrialisierung vollzogen. Für viele Menschen war es früher üblich, ihre Arbeit von zuhause aus zu verrichten. Dabei sprechen wir hier vorwiegend von Frauen, die aufgrund von Arbeitsverboten zur Heimarbeit gezwungen waren. Es gab jedoch auch Berufe, die ließen sich einfach von daheim aus besser erledigen. Was wäre die Kunstwelt heute, hätte Berta Zuckerkandl nicht ihren legendären Salon zuhause geführt? Wie würden Arnold Schönbergs Partituren wohl klingen, wenn er sie nicht in seinem Arbeitszimmer geschrieben hätte? Was wäre aus Sigmund Freuds Psychoanalyse geworden, hätte er nicht gleichzeitig in der Berggasse 19 gelebt und gearbeitet? Und zu guter Letzt: Wie hätte Kaiser Franz Joseph I. regiert, wenn er nicht daheim in Schönbrunn oder in der Hofburg gesessen hätte? Vier außergewöhnliche Wiener Persönlichkeiten, vier Perspektiven, vier Homeoffices.

© Arnold Schönberg Center Wien

Klimt, Mahler, Wagner, Schnitzler, Freud, Werfel oder Zweig. Sie alle gingen in Berta Zuckerkandls Salon ein und aus. In ihren vier Wänden kam es zu bedeutungsvollen Begegnungen – und Gründungen. So verdankt die Wiener Secession ihre Entstehung „der Zuckerkandl“, die mit ihrem Salon einen Ort der Entfaltung und künstlerischen Freiheit erschuf. Berta selbst war als Journalistin, Schriftstellerin, aber auch als Friedensaktivistin tätig und ging in die Wiener Geschichte als eine der aufregendsten Gastgeberinnen ein. Inspiriert von der Wiener Moderne spürte auch Arnold Schönberg, dass in ihm ein radikaler, ein neuer Klang steckte. Mit seiner Zwölfton-Reihe revolutionierte er die Welt der Musik. Denn plötzlich war Musik nicht mehr harmonisch, sondern klang vor allem wahrhaftig. Er arbeitete am liebsten zuhause. Seine oft gewöhnungsbedürftigen Klangfolgen waren damals für die meisten Wiener noch zu viel des Guten. Regelmäßig kam es bei seinen Konzerten zu Tumulten.

 

Einer der wohl berühmtesten Homeoffice-Plätze in ganz Wien, wenn nicht sogar der Welt, befand sich in der Berggasse 19. Denn Sigmund Freuds Arbeitsräume gingen, wie seine Theorien, in die Geschichte ein. Legendär ist seine Sammlung archäologischer Gegenstände. Im Laufe seines Lebens trägt er über 2.000 Erinnerungsstücke zusammen und beschäftigt sich mit ihrem Ursprung und ihren Mythen. „Meine alten und dreckigen Freunde“, so soll Freud seine Antiquitäten gern genannt haben. Sie inspirierten ihn und sollten ihm helfen, seine Gedanken zu festigen und vor dem Verschwinden zu bewahren. Teile seiner Sammlung können noch heute im Sigmund Freud Museum besichtigt werden.

© Sigmund Freud Copyrights
© Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. / Foto:Sascha Rieger

Mit einer schönen Aussicht arbeitet es sich einfach besser. Das haben die Habsburger natürlich schon immer gewusst. Auch Franz Josephs Arbeitszimmer in Schönbrunn bietet neben einem schönen Ausblick auch einige Einblicke in seinen Arbeitsalltag. So unterschied sich das Homeoffice des Kaisers deutlich vom prunkvollen Dekor seines Audienzzimmers. Seine Arbeitsräume dekorierte er am liebsten mit zahlreichen privaten Bildern und Fotografien von Kaiserin Elisabeth. Der selbsternannte „erste Beamte des Staates“ startete bereits um fünf Uhr Früh in seinen Tag und verließ seinen Schreibtisch nicht einmal für seine Mahlzeiten. Ein wahrer Workaholic.

© Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. / Foto:Sascha Rieger